Fragt mal die Wahlkämpfer nach “Armutsindustrie”
Ich habe gestern Abend nach allem Tagewerk und -stress, nochmal in die Glotze geschaut und die Tagesthemen konsumiert. Da steht der Arbeitsminister und lächelt schmal, aber bestimmt in die Kameras und vermeldet hoffnungsvolles, die Arbeit in Deutschland betreffend: Alles nicht so schlimm (wie angenommen). Es geht aufwärts. Die Arbeitslosenzahlen gehen abwärts. Die Krise wird gemeistert. … und so weiter.
Die aktuellen Daten von Arbeit und -slosigkeit werden mir vermittelt: Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im August um 9000 auf 3.472.000 gestiegen. Das sind 276.000 mehr als vor einem Jahr, aber der Anstieg ist, wie gesagt, “weniger dramatisch” als angenommen.
Die Zahl der Kurzarbeiter, sagt die BA (Bundesagentur für Arbeit), lag Ende Juni bei ca. 1,4 Millionen. Ungefähr 120000 neue Anträge auf Kurzarbeit werden erwartet, und die Zahl der Erwerbstätigen liegt bei ungefähr 40,15 Millionen (ca.144.000 weniger als im Vorjahr). Bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung ergab sich im Jahresvergleich ein Rückgang um 36.000 auf 27,42 Millionen im Juni.
Irgendwie alles nicht so schlimm. Nicht so schlimm wie erwartet. Nicht so schlimm wie früher. Alles wird gut. Das ist die Botschaft von Scholz und Co: Alles nicht so schlimm – wir bleiben unter 4 Millionen, trotz Krise. Das ist doch was. Alles-nicht-so-schlimm! Die “Wahlkämpfer” dieser Tage klingen in meine Ohren wie tibetanische Gebetsmühlen: gleichförmig, penetrant, einlullend.
Während Herr Scholz so spricht und Zahlen eingeblendet werden, fällt mir eine TV-Dokumentation ein, die ich jetzt und hier endlich vorstellen will. Es geht um die “Armutsindustrie in Deutschland”. Dieses Thema hängt direkt mit den oben aufgeführten Zahlen und den Reden der Politiker zum Thema Arbeit zusammen.
Ich zitiere kurz mal aus dem Artikel von Frau Klinger:
Es beginnt mit einen Unternehmer, der einen Weg suchte, um Trampoline in Deutschland herstellen zu lassen: zu Preisen, die mit China konkurrieren können. Die LÖSUNG dieses Problems: Arbeitslose stellen die Teile her, deren Arbeit über Lohnkostenzuschüsse, also mit öffentlichen Geldern finanziert wird. Die ARGE schickt die Arbeitslosen als 1-Euro-Jobber zu Firmen, die auf dieser Basis Leute beschäftigen bzw. für sie sogenannte “Praktika” veranstalten. So entsteht eine parallele, weitgehend entrechtete Arbeitswelt. “Dieser Film zeigt, wie aus dem Mangel an Arbeit ein Geschäft geworden ist und fragt: Wer profitiert eigentlich davon?”
Der erste Teil der Dokumentation:
Zum kompletten Aha-Erlebnis (Euch wird der Mund offen stehen bleiben), und damit wir weiter reden können, unbedingt auch Teil 2 und 3 anschauen.
“Kartons-packen”-Praktika, Puzzles legen, Häkeln und Zeitvernichtung – staatlich bezahlt und von der Wirtschaft gut und gern genutzt. Dafür verschwinden diese Menschen aus der Arbeitslosenstatistik. Wir reden hier von ca. 50 Mrd. Euro, die die Regierung in dieses “Programm” investiert. Soviel ist den Regierenden also die “chirurgische” Arbeitslosenzahlenverschönerung wert!?
Alleine die “Puzzle-Geschichte” ist derart abgedreht und klingt nach planwirtschaftlich-sozialistischer Realsatire, dass es einen zunächst mal wortlos macht. Auf’s simple Zählen der Puzzleteile darf man da nicht verweisen. Man kommt sich selber lächerlich vor.
Ich empfehle hier nochmal eindringlich den Artikel von Claudia Klinger Die Armutsindustrie – TV-Doku und Resonanz zur vollständigen und intensiven Lektüre, samt aller enthaltenen Links!
Im letzten Absatz dieses Artikels geht es nämlich darum, dass wir vor einer wichtigen Wahl stehen und gerade CDU/CSU sehr daran interessiert sind, dieses “Programm” noch deutlich auszubauen. Das Wort “Lohnsklaverei”, welches Frau Klinger hier verwendet, trifft den Kern der Sache.
Stellt Eure Abgeordneten und die Wahlkämpfer zur Rede. Sie kommen jetzt aktuell zu Euch, denn sie wollen Eure Stimmen. Die Rheinland-Pfälzer – die Bad Kreuznacher – können hier ersehen, wann z.B. Angela Merkel vor Ort ist. Fragt Sie nach diesem Thema.
Am 19.09.09 sind z.B. die Grünen wahlkämpfend in Bad Kreuznach vor Ort. Fragt sie nach diesem Thema.
Nebenbei: Die liebe SPD Bad Kreuznach wartet mit einem wirklich wahnsinnig überfüllten Terminkalender in diesen Wahlkampftagen auf:
Wie und wann irgendein relevanter SPD-Mann nochmal vor Ort ist, konnte ich nicht eruieren. Fragt einfach den Herrn Pörksen direkt.


Wem es noch nicht zuviel ist:
Ein handgemachtes Video der Linken, das zum Nachdenken anregt.