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Du bist das Netz

Du bist das Netz!Man darf nicht alles glauben, was im Netz zu lesen steht. Ebensowenig darf man aber auch nicht alles glauben, was man im TV zu sehen und zu hören kriegt, oder was man in der Zeitung liest. Diese drei simplen Tatsachen sollten eigentlich jedem halbwegs gebildeten und medienerfahrenen Menschen klar sein.

Ist das so? Sind wir eine kritische Gesellschaft, die hinterfragt und zweifelt? Sicherlich sind wir das nur zu einem Teil. Die große Masse hat “keine Zeit” den “ganzen Kram” zu lesen, und/oder sich dann auch noch weitergehende Gedanken zu machen, geschweige denn das Netz als demokratische Plattform zum Austausch zu nutzen. Vieles wird hingenommen, sehr viel mehr wird übersehen, und der weitaus größte Teil wird ignoriert. Die kleine Welt des Deutschen ist kompliziert genug. Auch das trifft auf uns alle zu.

So ist also offensichtlich gerade die Tatsache, dass wir heute so unglaublich einfachen Zugang zu Information haben, der Grund dafür, dass wir uns in weiten Teilen verweigern. Es hängt offensichtlich damit zusammen, dass Information im Netz ziemlich eng mit dem Phänomen der Desinformation verknüpft scheint. Zuviel Input und nicht gelernt zu filtern. Pech.

Beispiele wie Kinderpornographie und Schweinegrippe zeigen das deutlich. Im ersteren Fall verschrecken die Möglichkeiten, die das Netz dem offensichtlich unerwünschten bietet, und im zweiten Falle ist die Informations- und Meinungsflut so groß, dass man nach einer einstündigen Surftour zum Thema so klug ist, als wie zuvor.

Das Netz erscheint also als ein offensichtlich kompliziertes neues Medium, dessen Nutzung einen beständigen kräftezehrenden Lernprozess fordert. Zumal die Techniken im Netz sich so schnell und beständig wandeln, und wiederum neue Möglichkeiten der Kommunikation schaffen, bevor man die alten so richtig gefressen hat,dass viele von uns damit schlichtweg überfordert sind.

Leider wird in unserer Kultur aber recht schnell das, was nicht sofort vereinnahmt werden kann, verteufelt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Minarett-Entscheidung der Schweizer:

“Ausschlaggebend für die landesweite Mehrheit war – ebenfalls ähnlich wie in den Niederlanden und Belgien – nach Überzeugung der beiden PolitologInnen Regula Stämpli und Michael Hermann die hohe Zustimmung von Frauen, die sich als Feministinnen und als links verstehen und zum Teil bei den Grünen oder der Sozialdemokratischen Partei aktiv sind. ‘Diese Frauen wollten ein Zeichen setzen gegen eine Kultur, die sie als autoritär, machohaft und aggressiv empfinden’, erklärt Hermann.
(aus Die Frauen natürlich – DerFreitag)

Das nennt man dann “aus guten Gründen Falsches tun”. Dieses Beispiel passt meiner Meinug nach perfekt auf uns: die oben beschriebene Internet-Generation.

Ich finde, in solchen Fällen hilft es oft einfach ein wenig querzudenken. Das haben jetzt einige Damen und Herren getan und das Internet für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen, wie man in diesem Artikel bei Zeit Online nachlesen kann.

Das hört sich vielleicht zunächst bescheuert an, hat aber interessante gedankliche Grundlagen:

Das Internet sei eine nicht zu unterschätzende internationale Friedenskraft, lautet die Begründung.

Beispiele für die politische Nutzung von Kommunikationskanälen wie Google, Twitter, Blogs und Communities gibt es sicherlich genug. Die Wahlen im Iran, die Olympischen Spiele in China und die Berichte aus dem Kosovo haben dies gezeigt. Die gesteuerte und manipulierte Öffentlichkeitsarbeit und/oder die Propaganda totalitärer Systeme und großer Konzerne funktioniert nicht mehr so einfach wie früher. Das kann man unschwer beobachten. Regierungen und Administrationen müssen sich mit unliebsamen Erscheinungen auseinandersetzen, wie man jetzt auch am Beispiel der Türkei sehen kann: Internetzensur – Rosa Blumen und Lippenstift.

Den erstaunten Vorhalt eines Journalisten, das Portal sei doch gesperrt, konterte Erdogan mit der lakonischen Feststellung: “Ich besuche YouTube und empfehle Ihnen, es auch zu tun”.
via Frankfurter Rundschau: Internetzensur – Rosa Blumen und Lippenstift

Für uns ist eine Community wie “Wer-kennt-wen” oder “Facebook” eine nette Möglichkeit um längst vergessene Bekanntschaften wieder aufzufrischen und danach die nächste Party zu organisieren. Für Menschen in den oben angesprochenen Ländern sind es Möglichkeiten auf menschliche Tragödien aufmerksam zu machen.

Ich weiß nicht, ob es möglich sein sollte einem Netzwerk aus Computern einen Friedensnobelpreis zu geben, aber ich finde alleine die Idee sehr interessant, denn sie eröffnet uns eine neue Sichtweise: Nicht das Computernetzwerk ist das Internet, sondern die darin verbundenen Menschen – weltweit.

Ich war auch sehr dafür Barack Obama den Nobelpreis zu geben, weil ich es als Aufforderung und Verpflichtung für diesen mächtigsten Mann der Erde sehe. Es gab 2009 keinen Preis für geleistete Beiträgen zum Frieden in der Welt, sondern es gab die Verpflichtung zur Wahrnehmung von Möglichkeiten. Sollte das Internet den Friedensnobelpreis kriegen, würden wir alle, die wir im Netz präsent sind diesen Preis erhalten – als Verpflichtung, unsere Möglichkeiten auch zum Wohle aller Menschen einzusetzen.

Ich halte diesen Vorschlag für den inspirierenden Gedankenimpuls in dieser Vorweihnachtszeit 2009.

Ich weiss aber auch, dass von den Menschen, die diesen Artikel angeklickt haben, nur die wenigsten wahrscheinlich überhaupt noch diese Worte hier lesen, oder die Zeit aufbringen, auch die Links anzuklicken und sich weiterführend zu informieren, weil ihr Aufmerksamkeitspotential schon vorher erschöpft war, und die Ablenkung im Netz zu gross war. Es scheint ein schwerer und weiter Weg zu sein, bis das Kulturwerkzeug “Internet” richtig und gewinnbringend für alle Menschen verwendet wird. Die Gefahren sind dabei natürlich nicht zu übersehen, denn es ist wie immer mit den Werkzeugen, man kann sie vielfach verwenden.

That’s why the internet is a tool for peace. That’s why anyone who uses it can sow the seeds of nonviolence.

In diesem Sinne wünsche ich eine inspirierende Adventszeit und freue mich über geäußerte Meinung.

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5 Kommentare zu Du bist das Netz

  • Die Gefahren sind dabei natürlich nicht zu übersehen, denn es ist wie immer mit den Werkzeugen, man kann sie vielfach verwenden.

    Wie wahr!

  • Kreuznacher

    Zunächst einmal:

    Nicht zu kommentieren ist einfach!

    Macht keine Arbeit – man muss sich keine Gedanken um die Formulierung machen etc.
    .

    Ist aber gleichzeitig auch ein Armutszeugnis!

    .
    Nun, nach dieser kurzen Einführung zurück zum Thema!

    Heute morgen haben wir uns getroffen – ein alter Freund und ich.

    Bei einem Treffen mit Gleichaltrigen aus der ehemaligen MOFA-Gang (Ist zum Lachen, ich weiß, war aber damals ein todernstes Thema!) hatten wir das Thema bereits angeschnitten: Das Internet!

    Nachdem ich vorher als Messias des Internet von der Frau des Freundes begrüsst wurde, ging es die folgenden 2 Stunden NICHT um das Internet als solches – wir sind auch nicht an den PC!!!

    Wir haben bei einem Kaffee, oder auch Zweien, am Tisch gesessen und verschiedene Ansichten des Lebens ausgetauscht.

    Er lehnt das Internet ab – muss nicht jeden Hype mitmachen.

    Er ist glücklich in den Grundwerten auf die es ihm ankommt, er malt gerne, liest gerne Bücher, musiziert – er hat wirklich eine beeindruckende CD-Sammlung im Wohnzimmer, eine von der Zeit(?) empfohlene DVD-Sammlung steht in Reih und Glied aufgereicht in Hunderterstärke im Regal.

    -also um es vorwegzunehmen: blöd ist er mit Sicherheit nicht, mein alter Freund!

    Da hat sich Einer bequem eingerichtet und jetzt komme ich und mache im das Leben schwer – ist eigentlich nicht meine Absicht!…aber es wurmt mich doch, daß gerademal 2 von den ca. 12 Leuten fähig waren, mir überhaupt eine Email zu senden!

    Meine Mail ist ja ganz einfach:
    Mein Name (ohne Telekom und sonstiges Geschwafel!) und da alle die Fotos und Videos des Abends haben wollten, sagte ich einfach: Statt mir jetzt ein Dutzend Mailadressen zu notieren, schickt mir einfach eine Mail von euch an meine absolut einfache Mailaddi und ich schicke euch die Links zurück!

    Das Ergebnis ist bekannt: also 2 von 12 Mails kamen bei mir an!

    Frustrierend!

    Auch die Ansicht meines Freundes – desjenigen, der es sich so bequem gemacht hat – “Bloß nichts Neues!”

    Daß das Internet nur ein Teil des Lebens darstellt (schliesslich schreiben hier keine Aliens) das hat er nach 2 Stunden akzeptiert.

    Daß er hier auch für seine Hobbies schnell zusätzliche Informationen ziehen kann – kapiert!

    Daß das Internet für seine Kinder in der Zukunft immer wichtiger wird – kapiert!

    Podcast – Newsletter – Ipod – davon brauchte ich überhaupt gar nicht anzufangen…

    …und überhaupt: Seine Frau kennt sich ja aus – und wenn er was braucht, dann kann er sich ja an seine Söhne wenden!
    .

    OK, der letzte Fluchtweg, dachte ich!

    .
    …und dann sind wir endlich zu einem PC….und der…. muss wahrscheinlich abgewrackt werden – PC-Start zählt bereits im BIOS Part jeden Buchstaben einzeln auf – 3 Sekunden pro Buchstabe – sowas habe ich in meiner fast 25jährigen PC-Erfahrung noch nicht zu sehen bekommen…

    …also auf zum Nächsten, dem PC seiner Frau, die mit dem Internet ja umgehen kann!

    WOW – Ich kenne ja die Google-Toolbar und hatte auch schon mal selbst eine andere Toolbar installiert, aber müssen es gleich 7 (sieben) verschiedene sein (von ASK über GOOGLE zu ICQ) und da war mir klar, da ist Hopfen und Malz verloren!

    Die Frau wusste einfach nicht, wie sie die Dinger wieder wegkriegt und hat ein Drittel ihres Monitors auf Dauer an die Toolbars verschenkt.

    Das Problem mit dem Internetverständnis werde ich auch in meinem Bekanntenkreis NICHT lösen können!

    Wer nicht selbst den Arsch von alleine hochkriegt und wenigstens mal fragt, wenn er Probs hat, der muss halt OHNE Internet etc. auskommen –

    sorry – ich werde so schnell keine missionarische Entwicklungshilfe mehr leisten!

    Wenn einer kommt und fragt, dann helfe ich gerne – aber ich als Internet-Messias?

    Nee, laß den Anderen da ruhig an seinem Platz rumhängen – da muss ich nicht hin!

  • Also ich bin kein I-netspezialist,aber für das was ich brauche kann ich es nutzen.

    Mir hat früher immer jemand gesagt,paß auf,auf welche Seiten du gehst und was du anklickst,nun,daran halte ich mich.Bis jetzt hatte ich damit die besten Erfahrungen,und wenn ich was nicht weiß,frage ich.Da ich aber I-net nicht beruflich,sondern zu meinem mehr oder weniger Privatvergnügen nutze,gehe ich damit natürlich anders um.Es ist auf jeden Fall geeignet Informationen schnell und unkompliziert abzurufen.

  • [...] habe in jo$ C@fé zur Idee, das Internet für den Friedensnobelpreis vorzuschlagen geschrieben. Ich finde diesen Vorschlag sehr inspirierend, unabhängig von seiner [...]

  • [...] Das Netz bist Du. Das ist eigentlich überhaupt nicht Neues, denn der Mensch hat sich schon immer in Netzwerken organisiert, schon in den Höhlen. Dort hat er sich auch schon verbreitet: in Höhlenmalereien. Heute tun wir das immer noch. Nur die Höhle ist größer geworden. Neu sind die uns zur Verfügung stehenden Werkzeuge und unserere Begriffe für dieses Verhalten: Netzwerk und Internet. Neue Medien, neue Begrifflichkeiten. Das Internet ist ein fester Bestandteil unserer technologischen und geistigen Entwicklung: Das ist eine Binsenweisheit. Trotzdem muss man es sich klar machen. Warum? Siehe den vorigen Artikel mit dem Verweis auf den Technologiekritik-Artikel von Frau Passig [...]

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